Lotus

  • Der Lotus Elan ist einer der legendärsten britischen Sportwagen der 1960er Jahre, vielleicht aller Zeiten, und hat seinen Status als Oldtimer und Sammlerstück zu Recht verdient. Journalisten, Fans von Colin Chapman und der Lotus-Marke sowie allgemeine Automobil-Enthusiasten loben den Elan fast ständig, vor allem wegen seines großen Einflusses auf zukünftige Lotus-Designs, seiner aerodynamischen, eleganten Form und seinem außergewöhnlichen Handling. Es sollte daher nicht überraschen, dass Lotus den Elan Anfang der 90er Jahre mit moderner Technik und Design wiederbelebt hat.

    Der neue Elan wurde als Projekt zur einfachen Verjüngung der Lotus-Linie mit etwas, das für den durchschnittlichen Autokäufer erschwinglicher und attraktiver ist, geboren. Er wurde von Grund auf als modernes 90er-Jahre-Auto konzipiert und der erste Elan M100, wie er genannt wurde, lief 1989 vom Band - mit Frontantrieb. Ja, Sie haben das richtig gelesen, ein Lotus mit FWD. Als einziger Lotus mit diesem Antriebsstrang, der jemals produziert wurde und die Spezifikationen des New Elan genau analysiert hat, präsentiert sich der Wagen noch mehr als ein charakterfremder Zug von Lotus.

    So kam zum Beispiel sowohl das Getriebe - ein 5-Gang-Schaltgetriebe - als auch der Motor - ein winziger 1,6-Liter-Inline-Vierzylinder-16V-DOHC von keinem Geringeren als Isuzu, obwohl beide von Lotus Engineering modifiziert wurden, bevor sie in den M100 eingebaut wurden.

    Als Lotus sollte die rohe Kraft beim Elan nicht so wichtig sein, aber überraschenderweise übertrifft sie diesen Wert, indem sie 130 Saugpferde oder 165 mit dem optionalen Turbolader, der auf fast allen Elan's installiert wurde, ausstößt und das extrem leichte Gewicht des Autos auf etwa 995 kg - von 0 bis 60 mph in 6,5 Sekunden bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 137 mph - schätzt. Die Kurvenführung, die nicht nur für das Typenschild, sondern für die gesamte Marke charakteristisch ist, ist ausgezeichnet.

    Foto: Scott Parker

    "Der Lotus Elan war eine tolle und sportliche Fahrt mit mehr Leistung als wir erwartet hatten und mit einem so leichten Auto bekommt man eine fantastische Fahrt" - Riesige Lotus Fans und Motorsportfans von Sportsbonus Code

    Lotus hat wirklich hart daran gearbeitet, die Nachteile des FF-Layouts hinsichtlich Über- und Untersteuern, Traktion und Kontrollierbarkeit zu beseitigen, damit es sich wie ein RWD-Auto mit besserem Gewichtsmanagement anfühlt. Das ist ihnen weitgehend gelungen, auch ohne die Hilfe von ausgefallener Elektronik, die dem Elan bewusst fehlt. Das Fahrgefühl ist direkt und berauschend, charakteristisch für jedes Lotus-Auto, mit zahlreichen Möglichkeiten, das Auto jederzeit in die vom Fahrer gewünschte Richtung zu lenken, und auf jede erdenkliche Art und Weise - geradeaus, durch Slaloms, seitwärts treibend, wählen Sie aus.

    Auch das Interieur erinnert an andere, vertraute Lotus-Fahrzeuge. Mit der optionalen zweifarbigen Lederpolsterung lässt es sich wirklich in einen abenteuerlich aussehenden Ort verwandeln, aber die spartanische, effiziente und gleichzeitig komfortable Steuerung lässt Sie nie vergessen, in welchem Auto Sie sitzen. Hier werden sich sowohl Track-Day-Enthusiasten als auch Lotus-Fans wohlfühlen.

    Die offene Roadster-Karosserie spart nicht nur Gewicht, sie ermöglicht auch ein absolut wunderbares Fahrerlebnis, sei es auf langen, geraden Autobahnen oder um rasende Low-Speed-Schikanen. Die Kombination von Lotus-Performance mit offenem, wind-in-your-face-Fahren war wahrscheinlich das Beste, was der Marke je passiert ist, als sie 1962 mit dem Original Elan debütierte, und die Nachbildung dieses Gefühls funktionierte einwandfrei.

    Leider hat der Elan M100, wie viele Lotus-Fahrzeuge, nicht genug Publikum angesprochen, was 1995, sechs Jahre nach seiner Einführung, zu enttäuschenden Verkäufen und einer Absage des Autos führte. Insgesamt wurden bisher weniger als 5.000 Elan M100 hergestellt.

    Trotz seiner Seltenheit ist es heute überraschend einfach, einen M100 zu bekommen. Vierstellige Preise können vereinbart werden, wenn man ein paar Abnutzungserscheinungen verzeihen kann, und man sollte nicht erwarten, für ein exquisites, neues Beispiel viel mehr als 15.000 Euro bezahlen zu müssen.

    Allerdings gibt es einen großen Nachteil, der für alle Lotuse gilt: Rechtslenker sind viel häufiger und damit günstiger als LHD-Versionen. Deshalb müssen Sie sich überlegen, ob Sie für Ihr Budget "auf der falschen Seite" fahren wollen oder nicht.

    Hier sind die beeindruckenden Spezifikationen des Lotus:

    Normales Modell:

    Beschleunigung: 0-60 in 7,2s

    Höchstgeschwindigkeit: 122 mph

    Leistung: 130 PS @7,200RPM

    Motor: 1.6L Saugmotor L4 mit 5-Gang-Schaltgetriebe

    Preise:

    bis zu gutem Zustand: < EUR 5'000 Euro

    guter bis sehr guter Zustand: EUR 6.000 - EUR 10.000

    tadelloser Zustand: EUR 13.000+

     

    Turbo-Modell:

    Beschleunigung: 0-60 in 6,5s

    Höchstgeschwindigkeit: 137 mph

    Leistung: 165 [email protected] 6,600RPM

    Motor: 1.6L Turbolader L4 in Verbindung mit einem 5-Gang-Schaltgetriebe

    Preise:

    bis zu gutem Zustand: < 6.000 EUR

    guter bis sehr guter Zustand: EUR 6.500 - EUR 12.000

    tadelloser Zustand: EUR 15.000+

    Ein lustiges Auto für die Wochenenden und eine sportliche britische Tagesfahrt. Raffiniert, modern, schlank und kraftvoll, elegant, aber ohne aufdringlich zu sein. Schnell, aber nicht schnell.

     

  • An historischen Fahrzeugen im normal "Street Legal Mode" haben wir schon unsere wahre Freude gefunden. Darum freuen wir uns umso mehr, wenn wir denn mal wieder so einen richtigen Exoten von der Rennstrecke in die Finger bzw. vor die Linse bekommen. Damals war ja alles besser, der Sex war sicher und die Autos eben nicht - denn heute ist es ja eher anders herum. Genauso verhält sich mit den Fahrzeugen aus der ehemaligen Deutschen Rennsportmeisterschaft (kurz: DRM). Hier wurden teils abenteuerliche, kompromisslose Konstruktionen aus normalen Straßenfahrzeugen auf die Räder gestellt. Mit dabei Vertreter aus gutem und bekanntem Hause wie dem BMW 320 (E21), dem Ford Capri, Porsche 935 oder Lancia Beta Montecarlo - um nur ein paar zu nennen.  Allesamt natürlich von hochkarätigen Fahrern wie z.B. Hans Heyer, Klaus Ludwig, Jörg van Ommen, Hans-Joachim Stuck oder Harald Ertl virtuos bewegt. Letzterer hatte im Jahre 1979, also in seiner amtierenden Deutschen Rennsportmeister Phase, die Idee mal etwas ganz anderes zu bauen. Was aus einer Plastikmodellkarosse erst einmal nach nix aussah, sollte sich innerhalb kürzester Zeit von etwa 4 Monaten ändern. Die Wahl fiel dabei auf einen Lotus Europa welchen Harald Ertl damals schon als den idealen Gruppe 5 Rennwagen bezeichnete.

    Knapp 2000 Arbeitsstunden und umgerechnet etwa 110.000,00 € hat der Aufbau des Lotus Europas insgesamt verschlungen, wobei ein Großteil davon auf die üppigen Karosseriearbeiten und den damit verbundenen Arbeitsleistungen zurückzuführen ist. Einzig und allein die Fahrgastzelle - und das ist sie wirklich, denn ich bin mit meinen 1,95 m definitiv zu groß für das Gerät - samt Türen mussten und durften sogar am Auto bleiben, weil diese zum einen aus Kunststoff gefertigt wurden und sie auch Gruppe 5 reglementbedingt nicht verändert werden dürfen. Alles andere ist mehr oder minder freigestellt. So stand ein Toj-Sportwagenchassis als Chassis Basis zur Verfügung, wo dann von den Karosseriebauern entsprechende Vorder- und Hinterwagen aus den zuvor gewonnen aerodynamischen Erkenntnissen geformt wurden. Der Ur-Lotus Europa ist nur ganz ansatzweise zu erkennen. Denn vor dem staunenden Betrachter steht ein nun 1,85 m (vorne) und 1,93 m (hinten) breiter und nur 98 Zentimeter hoher Rennwagen, der an den buchstäblichen Unterlegkeil erinnert, aber eben genau dem Gruppe 5 Reglement entsprach.


    Ein weitere Vorteil der dann aus Glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigten Vorder- und Hinterwagen ist der, dass man diese im Crashfall oder bei unfreiwilligem Lackaustausch schnell durch andere ersetzen konnte. Das Toj-Sportwagen-Chassis ist in Monocoque-Bauweise gefertigt, und hatte seine Anleihen bereits im BMW M1 Gruppe 5 gefunden. Etwas befremdlich schein aus heutiger Sicht die Position des Fahrers zwischen zwei 50 Liter genieteten Aluminiumtanks und den Füßen zwischen den Vorderrädern - a safe place to be? Eher nicht so ganz, da bleibt nur zu hoffen, dass es da nicht zum Crash kommt. Dieses Chassis ist bereits ein fertiges Produkt von der Firma Toj, was zum einen nicht extra wieder entwickelt werden musste und zum anderen versprach man sich dadurch mehr Stabilität  und Halt für die Sicherheitszelle anstelle eines Überrollkäfigs mit Gitterrohrrahmen. Somit wurde viel Zeit und letzten Endes auch Geld beim Aufbau eingespart in dem man einfach fertige Teile bestellen und diese an den Chassis/Karosserieverbund schrauben konnte.

    Nun ging es daran, das Fahrwerk samt Radaufhängungen, Querlenker, Dämpfer und Bremsanlage zu verbauen. Letztere stammt von der Firma Girling und fand auch so in der Formel 1 ihre Verwendung. Die fixierten Radträger stammen vom Chevron B21 2 Liter Sportwagen, sowie die Harald Ertls bestens aus seiner Formel 1 und 2 Zeit bekannten Sachs Gasdruckdämpfer. Als Reifenformat wurden vorne 16" und hinten 19"  ursprünglich von der Firma Goodyear gewählt (aktuell Avon), was die eh schon aggressive Keilform noch mehr unterstreicht. Die Ronal Felgen wurden übrigens eigens für den Lotus Europa Gruppe 5 konstruiert und sollen durch die kranzförmige Anordnung der kleinen Luftleitbleche einen ähnlichen Effekt erzielen wie die sonst zusätzlich montierten an den klassischen BBS Räder wie sie am Porsche 935K3 auch Verwendung finden.

    Der Motor selbst ist einem eigens konstruierten Hilfsrahmen befestigt. Die Anpassung und Montage der Kühler und sonstigen Nebenaggregate nahm neben der Anpassung der Elektrik und des Cockpits am meisten Zeit in Anspruch. Nun war quasi fast alles fertig, bis auf das Herz des Ganzen. Als Antriebeinheit sollte ein Zakspeed 1,4 BDA mit KKK-Turbo Lader und 1,2 Bar Ladedruck dienen, der bei knapp 9.000 U/min. etwa 400 PS an Leistung auf die fünfachgelagerte Kurbelwelle wuchtet. Dieser Motor ist auch im Zakspeed Ford Capri Turbo der kleinen Division im Einsatz gewesen, also kampferprobt. Der Motor bzw. der Lader saugt übrigens direkt über dem linken Hinterrad die Luft an - blieb also nur zu hoffen, dass da keine Fremdkörper Gyros aus den Schaufeln des Laders machen. Das alles in Kombination reicht dann für umgerechnet knapp 300 km/h Spitzengeschwindigkeit und lässt den Lotus Europa Gruppe 5 aus dem Stand in 2,9 Sek. auf 100 km/h sprinten. Die Kraftübertragung erfolgt auf ein Hewland 5-Gang FGA Getriebe mit 60%-iger Sperre, was auch in der Formel 1 im Einsatz war. Damit es im Lotus verwendet werden konnte, baute man kurzerhand mittels Adapter  in Fahrtrichtung hinter dem Motor sitzend ein.

    Als Hauptsponsor trat in diesem Projekt die Firma Minolta (heute KonicaMinolta) in Aktion, die Harald Ertl mit etwa ein Viertel der Kosten von umgerechnet 25.000,00 €, unterstützten. Machten diese nicht ganz geringen Kosten denn so kurz vor Ende der Homologation 1980 denn überhaupt noch Sinn? Laut Harald Ertl schon, denn dieser wollte das Auto bei 1000km-Rennen, Marken-WM oder Ausstellungen einsetzen und so seinen Invest dadurch amortisieren wollte. Doch leider kam Harald Ertl bei einem Flugzeugabsturz im Jahre 1982 ums Leben und das Auto wurde irgendwann verkauft. Danach landete der Lotus im Ruhrgebiet und wurde letzten Endes dann als quasi Scheunenfund im Jahre 2014 von unserem guten Freund Rüdiger Julius-Bernhart käuflich erworben und in die Hallen von JB Classic Racing verbracht. Und hier ist das Auto genau beim richtigen angekommen, denn Rüdiger Julius-Bernhart ist wohl einer der Gruppe 5 und DRM Spezialisten überhaupt.  Das Fahrzeug steht nun quasi mit der original Patina bei JB Classic Racing und versprüht dort neben den ganzen anderen tollen Fahrzeugen aus der Epoche den Zeitgeist der alten DRM Zeit.. Derzeit wird überlegt, ob man das Fahrzeug so belässt oder es komplett neu restauriert. Technisch wird dies natürlich passieren, nur optisch ist hier noch keine Entscheidung gefallen.